geiz-ist-geil

Zur Abwechslung mal ein Beitrag in Deutsch da ich schon einige Texte, Berichte zu dem
Thema dazu gelesen habe und im Endeffekt es zu einem interessanten Problem wird oder
vielmehr ist. Berufsfotografen erhalten regelmäßig Anfragen betreffend kostenloser Arbeit.
Was ? Sie wollen nur kostenlose korrigierte Bilder ? Das ist die Arbeit des Berufsfotografen
im 21. Jahrhundert.

Nachdem Zeit das Äquivalent zu Geld ist, fallen Antworten bei diesen Anfragen sehr
kurz und knapp aus. Das dies Irritiert, teilweise verstört und nicht verständlich genug ist,
kann man am ersten Blick verstehen deswegen hier einige Infos warum das so ausfällt,
damit der Groll oder Missgunst kleiner ausfällt. Nur Vorsicht, der Text ist im Gegensatz
zu anderen Publikationen keineswegs positiv geschrieben, es fehlt mit Absicht das
Sahnehäubchen obendrauf oder auch den Blumenstrauss hab ich nun weggelassen.
Ziel ist es Bewusstsein zu schaffen – das jede Arbeit was Wert ist – auch die des Fotografen.

Jede Anfrage ist anders, jeder Umstand ist am ersten Blick anders – die Quintessenz ist im
Grunde aber immer die Selbe: Die Berufsfotografen leben von ihren Bildern, wie Sie von Ihrer Arbeit
als Angestellter, Arbeiter oder sogar Selbstständiger leben bzw. Ihr Leben bestreiten.
Somit wenn Sie kostenlos Arbeiten, können Sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten.
Der Berufsfotograf auch nicht.

Jeder Berufsfotograf unterstützt sicher die eine oder andere gute Sache.
Wenn er alle guten Sachen unterstützen würde, wird er selbst bald zur „guten Sache“ und
benötigt dann ihre Spendengelder. Ich muß dies so Knochentrocken schreiben,
da die Sozialversicherung und die Finanzbehörde nicht so wirklich an die „gute Sache“
glaubt und am Ende des Monats oder Quartals Monetas sehen will oder
den Fotografen, überspitzt gesagt, in die „gute Sache“ transformiert mittels Konkursrichter.

Die Argumentation „Wir haben kein Geld“ ist nicht unbedingt nachvollziehbar, da sich
diese Aussage eher auf 2 Faktoren berufen
1.) Man will keines Ausgeben, Gründe siehe oben, oder
2.) Man hat das Projekt einfach verkalkuliert
Dadurch ist auch klar das der rote Faden in der „Wir haben kein Geld“
Argumentationskette gänzlich fehlt. Der Grund für neunzig Prozent
alle Bittgesuche um unentgeltliche Unterstützung.
Sehen wir uns das genauer an:

Bei Hochzeitsbildern wird immer gestöhnt das der Fotograf so teuer ist,
nur das ist Ansichtssache, denn wenn die ganze Show gut und gerne
fünfzehntausend €uro kostet wird man sicherlich 10% für einen normalen
Fotografen für ein paar Bilder mindestens einzuplanen haben inkl. Ausarbeitung.
Die Musik kostet Sie auch bei dem Portfolio sicherlich zweitausend €uro,
hier wird dann plötzlich nicht gestöhnt.

Ich möchte Ihnen veranschaulichen, das die Arbeit eines Bildkünstlers
in Zeiten der digitalen Fotografie um nichts schlechter ist als Früher
und sogar die Möglichkeiten für Sie als Kunde gestiegen sind und
im Endeffekt günstiger ist als noch vor 15 Jahren.
Erfreut Sie die gespielte Musik nach 5 oder 10 Jahren noch immer … ? 😉

Wenn der Satz kommt „Sie haben kein Verständnis für die gute Sache“
können Sie als Berufsfotograf entspannt kontern: „Sie haben keine Wertschätzung“.
Und wenn das Argument kommt, das machen aber andere auch umsonst,
dann Gegenfrage „Das mit Umsonst glaub ich – Wieso reden wir dann?“

Desweiteren kommen sehr oft Anfragen der Gratis-Arbeit von Organisationen,
wie börsennotierende Unternehmen, staatliche Stellen oder Landesorganisationen,
Parteien sowieso oder gar NGO’s. Bei den meisten dieser Anfragen genügt ein
Blick via google auf deren finanzielle Gebarung und es wird einem klar, das es
nicht am Geld zu scheitern vermag sondern eher an der Priorisierung,
Wertschätzung der Arbeit oder am vergeigten Business Case, sprich die Zahlung
eines angemessenen Honorars. Oder arbeitet der Installateur auch für Sie gratis ?

Die Argumentation, sie können Ihr Wasserzeichen anbringen und
eine Namentliche Nennung, ist zwar lieb und nett bringt aber im Endeffekt nach
aktuellen Studien rein garnichts, da Erstens letzteres bei Publikation lt.
geltendem Recht sowieso gemacht werden muß.
Und Zweitens das es garnichts bringt können Sie wie erwähnt
aus einschlägigen Studien ablesen  …

Equipment wird natürlich auch hergeschenkt und wir reisen zu den Locations mit der
Technologie aus StarTrek und beamen uns von Ort zu Ort. Das Bewusstsein ist leider
nicht vorhanden das ein Basisequipment inkl Bildbearbeitung schnell mal zehntausend €uro kostet –
und da greif ich jetzt mal nicht so hoch, außer man bedient sich dem
Fotografenmodus „Ich hab da wen in der Familie“.

Ausbildung und Erfahrung ist sowieso schon da sobald man eine Kamera am
Ladentisch halten kann. Es ist immer wieder erfrischend zu hören wenn der Neffe,
Cousin, Schwager, Hund, … auch eine Kamera hat und das weit aus billiger macht.
Na da hoffe ich doch das Hund & Co. auch einen Gewerbeschein besitzt,
offizielle Softwarelizenzen inne hat und alles im Jahr über 720€ versteuert.
Und nur weil Menschen eine Kamera haben und somit anscheinend unversteuert arbeiten
oder gar gratis arbeiten, gilt noch immer der Spruch „Qualität hat ihren Preis“.

Photostocks sind eine Neue Bereicherung des Marktes und ich sehe Sie eher als Chance
denn als Bedrohung, da man ja selbst zum Datenlieferanten werden kann und Bilder
um gutes Geld auch an den Mann / Frau bringt. Man muß sich weiterentwickeln,
herumeiern und mimimimimi bringt da nichts, das geschrieben ins Stammbuch
einiger Berufsfotografen.

Im Grunde bestimmt der Markt das Geschäft, der Markt sind alle Konsumenten.
Wenn durch Konsumenten bei einem Frucht-Joghurt das Echte nicht vom Chemie-Brei
unterschieden werden kann und nur der Preis entscheidet, wie sollen die selben
Konsumenten Bilder und deren Qualität und Aufwand bewerten wenn
die Wertschätzung und Priorisierung hinten nachhinkt und „geiz-ist-geil“ in aller Munde ist
Der letzte dreht das Licht ab!